Jawoll, diese Ansicht vertrete ich. Fast würde ich einen Schritt weitergehen und behaupten: Er hat nie gelebt! Gerade suche ich verzweifelt nach Gegenbeispielen.
Lola rennt? Keine Frage, dieser Film hat gleich 4 alphas… ääh… Oscars verdient: Bester Soundtrack, Beste Kamera, Schauspielerische Leistung und Message (Gleich zwei Pitchfork-Zitate, die hier Anwendung finden: tiny acts – huge effects und when a small stone is thrown into a quiet lake the whole sea is moved).
Das Experiment? Schuh des Manitu? Anatomie? – Alles Filme mit guten Lachern, Unterhaltungswert, Schock-Momenten… Aber Klassiker-Potential? Tiefgang? No way!
(Man möge mich jetzt nicht steinigen, selbstverständlich bin ich mir der Meilensteine wie Metropolis oder Nosferatu bewusst und würdige diese auch – hier thematisiere ich allerdings nur zeitgenössische Werke.)
Vielleicht sollten die Macher deutscher Filme nicht gar so sehr die aktuelle Trends und Klischees verwursten. Heute produzierte Filme wirken so in 10, 15, 20 Jahren zwangsläufig veraltet, unmodern, weltfremd. So macht man bestimmt keinen Klassiker!
Am Freitag abend gab ich nun der Welle die Chance, meine Meinung ein Stück weit zu ändern.
Die Handlung dreht sich hauptsächlich um den Gymnasiallehrer Rainer Wenger und eine Gruppe von Schülern. Während einer Projektwoche zum Thema „Staatsformen“ bekommt er gegen seinen Willen statt des Themas Anarchie das Thema Autokratie zugeteilt. Seine Schüler finden das Thema langweilig und meinen, es bestehe sowieso keine Gefahr einer Autokratie oder Diktatur mehr in Deutschland. Er startet ein Experiment, um seinen Schülern zu demonstrieren, wie einfach es auch heute noch ist, die Massen zu manipulieren und eine Diktatur zu errichten.
Quelle: wikipedia
Es liegt etwa dreizehn, vierzehn Jahre zurück, als ich das Buch gelesen und den alten Film gesehen hatte, dennoch war mir bewusst, welche Handlung mich erwarten würde. Zur allgemeinen Beruhigung: der Film ist keine billige Kopie!
Grundsätzlich mangelt es ein wenig an Spannung. Aber wieviel Spannung kann schon aufkommen wenn der Zuschauer schon weiß was passiert…
Der charismatische Schauspieler Jürgen Vogel überzeugt voll und ganz, auch wenn die am Anfang übertrieben kumpelhafte Lehrerrolle aufgesetzt und unrealistisch wirkt.
Die zahlreichen Nachwuchs Jungschaupieler liefern solide, wenn auch nicht hervorragend Arbeit ab; wie oben schon angesprochen versucht man auch hier wieder eine Spur zu aktuell, zu modern, zu trendy zu sein. Gerade in einem deutschen Film sollte auch deutsches Sprachgut Verwendung finden, und nicht zwingend finsterster Gossenslang. (Und wenn ich jetzt noch ein Mal ‘deutsch’ schreibe wird mir wohl der rechte Arm steif…)
Achtung!!! Spoiler!!!
Das Ende – Nunja, es weicht wesentlich von der Vorlage ab. Aber wenn der Looser schon nicht wie erwartet vom Gerüst stürzt muss der Quotentote irgendwie anders eingebaut werden. Sowohl Buch als auch die alte Verfilmung haben das Ende besser beeindruckender rübergebracht.
Spoiler Ende!
Alles in allem – Gute Arbeit, sehenswert – auch wenn die Thematik nicht unbedingt in die Wochenend-Primetime passt.
—————-
Now playing: Imatem – Holy TV
via FoxyTunes