Eine Woche Ubuntu…
Neugier hatte mich getrieben, und außerdem die Tatsache, dass der Rechner über kurz oder lang sowieso mal wieder plattgemacht werden musste. Zu viele Dateileichen hatten sich angesammelt, hie und da nervige Fehlermeldungen, und schließlich ein generelles Lahmen, wie man es nunmal gewöhnt ist, von einem Windowsrechner, nach ein – anderthalb Jahren.
Anderthalb Jahre?! – Jawohl, so lange… Ich hatte natürlich Panik, liegen doch Gigabytes von *.jpegs, *.mpegs, *.movs und *.mp3s auf der Platte rum, deren Verlust dem Ende Meinerselbst gleichkäme (Der Autor neigt zur Übertreibung…). Nicht zu vergessen die zahlreichen, teils … semilegal „erworbenen“ Anwendungen, für die man nach einer Neuinstallation erst einmal wieder Ersatz finden müsste. Und schließlich die Kleinigkeiten, die man bei einer solchen Aktion immer zu vergessen pflegt: Emailkontoeinstellungen, bookmarks, Dokumentvorlagen.
Und warum Linux? Stabilität und Sicherheit sind natürlich Beweggründe, ebenso wie das Verlangen des Nerds in mir, sich in alternativen Gefilden zur üblichen XP-Bubblegum-Umgebung zu bewegen. Aber wichtiger war eigentlich das, was gegen Windows sprach. Mit welchen ausschließlich-Windowsanwendungen arbeitete ich schon großartig noch? Photoimpact? Hin und wieder. Cooledit? Kaum noch. Das Officepaket? Hier mal ein Brief, dort mal ne schnelle Präsentation. Und Outlook eben. Ansonsten läuft heutzutage das Meiste doch über Webanwendungen, bei denen das heimische Betriebssystem in der Regel Wurscht ist.
Mein letzter Linux-Versuch liegt etwa zehn Jahre zurück, damals noch mit SUSE 6.?. Frustriert hatte ich seinerzeit dieses Projekt wieder begraben müssen, weil ich einfach nicht in der Lage war, meine hardware damit zum Laufen zu bringen. Grafikkarte?! – Pfff, 64 Farben, und die Bildschirmränder schneide ich dir auch noch weg! Soundkarte?! – Ein pööööp aus dem internen Lautsprecher, das muss reichen! Maus?! – Sind wir hier bei Windows oder was?? Drucker?! NEC Silentwriter??? Hahaha….
Das alles gehört aber der Vergangenheit an. Das Ubuntu-Installationsprogramm bietet auch direkt die Möglichkeit, das System mit einer simulierten Installation zu testen. Es hatte mich dann auch gleich fast vom Stuhl gehauen, als ich – in der Simulation, wohl gemerkt! – auf den Firefox-Button klickte und … sofort online war. An die Fritzbox hatte ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gedacht. Aber hier gilt – wie auch bei jeglicher anderer hardware – es geht. Einfach. Ohne eigenes Zutun.
Diese Überraschung sollte ich kurz darauf noch einige Male erleben.
Evolution. Das Outlook-Pendant, das der Officevariante in NICHTS nachsteht. Im Gegenteil, die Koppelung mit den Google-Kontakten und dem Google-Kalender ist hier ohne jegliche Plugins möglich!
Software-Center. Ein Sammelsurium kostenfreier Anwendungen für jeden Anlass. Mediaplayer? Da. Ripper? Da. Gimp? Da. Twitterclients? Da. Also um es mal auf den Punkt zu bringen: Bislang ist mir noch keine Anwendung eingefallen, die nicht „DA“ wäre.
Bei der ersten „richtigen“ Ubuntu-Installation wählte ich die Option „Windows behalten, Ubuntu parallel draufspielen und beim Start dann aussuchen, welches OS genutzt werden soll“. Die Hosenscheisservariante also, mit Netz und doppeltem Boden. Ganze drei Tage sollte diese Situation andauern. Danach war Windows endgültig Geschichte.
Kleinere Probleme habe ich jetzt noch mit der Medienwiedergabe und -verwaltung, weder Amarok noch Banshee stellen mich hundertprozentig zufrieden. Das iTunes-feature Genius vermisse ich etwas, eine wirkliche Alternative habe ich noch nicht finden können. Und die gelegentlichen Passwortabfragen nerven doch bisweilen schon sehr. Aber da ich jetzt im absoluten Geschwindigkeitsrausch bin kann ich über diese Kleinigkeiten durchaus hinwegsehen, zumal es bestimmt nur eine Frage der Zeit ist, bis ich diese Fehler dank beeindruckend kompetenter community gelöst habe.
Realtime-Blogging: Gerade entdeckt, dass es im Software-Center eine WordPress-Anwendung gibt, welche just in diesem Moment installiert wird und – da bin ich sicher – über welche gleich dieser Beitrag, ganz einfach und ohne großes Tammtamm ins www katapultiert wird.
Edit: Jawoll, das ist Echtzeitbloggen – ganz ohne Haare raufen geht’s wohl doch nicht, ich lese da schon wieder von MySQL und Co., Krams also, von dem ich wirklich keine Ahnung habe.
Ich bring es dann an dieser Stelle noch mal auf den Punkt: Ubuntu ist geil! Es ist einfach, superschnell, bietet alles, ALLES was man auf dem heimischen Rechner braucht. Versuch es, und du wirst begeistert sein. Ich bin es jedenfalls!



