Date: Juli 19th, 2009
Cate: Musik, Politik
Tags: am fenster, batallion d'amour, city, ddr, ostrock, silly, tamara danz, wende 

Ich wünschte, ich könnte mich erinnern…

…und müsste nicht zurückgreifen auf fragwürdige Quellen wie “Die 100 peinlichsten Mauer-Unfälle”, “Frauentausch – Das Ost-West-Special” oder “Die ultimative Chartshow – Wende-Feten-Hits” mit Oli G. und seinen drei Spießgesellen. Ein wenig wundert es ja schon, dass man die Fernsehzuschauer (noch) verschont von so hochemotionalen Schilderungen der Gefühlswelt eines Axel “dit waaa geil, wa?!” Schulz oder einer Gülcan “ich habe damals zwar noch in die Windeln gebollert, aber die Musik fand ich trotzdem soooooooo toll…” Kamps. Kommt wohl alles noch…

Meine eigene rotierende Gefühlswelt – ausgelöst von der last.fm-Station “Ostrock” – gibts dafür heute schon.

Zu Recht in Vergessenheit geraten das Bild des Alkis Hasselhoff mit seiner Blinke-Jacke, I’ve been looking for freedom schmetternd. Zu Recht verdrängt Klaus Meines Pseudo-Gutmenschen-Gezwittschere Wind of Change. Und zu Recht auch gaaanz tief in der Versenkung verschwunden John F. und die Gropiuslerchen – Berlin, Berlin. (Vorsicht, Fremdschämpotential!)

Gerne hingegen hätte ich jedoch nur den Hauch einer Ahnung von der Gefühlswelt eines Menschen heute vor 20 Jahre. Als alles noch ungewiss war. Als die Zeichen noch auf Sturm standen, auf beiden Seiten – Volk und Volksvertreter. Als Geschichte im Begriff war, gemacht zu werden.

Gerne würde ich das Knistern spüren, wenn eine Tamara Danz und ein Toni Krahl subtil und metaphorisch verpackt, oder ein André Greiner-Pol unverblümt anarcho die Kritik am System und am Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretär des ZK der SED äußern.

Gerne würde ich den Moment miterleben, wenn die Kritiker – Künstler und Volk – erkennen, dass der Widerstand nun zu Ende ist und eine neue Zeit beginnt. Die Angst, die Ungewissheit, aber auch die scheinbar unendlichen Möglichkeiten, die sich einem ab diesem Zeitpunkt bieten.

Ich war damals gerade mal 10 Jahre alt, es ging an mir vorüber. Aber der wahre Wende-Soundtrack, der schnürt mir trotzdem die Kehle zu…

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Now playing: City – Glastraum
via FoxyTunes

1 Comment

  1. TinaTina  
    August 1st, 2009
    REPLY))

  2. Moin,

    vielleicht als Lektüre empfehlenswert Udo Scheer mit Jürgen Fuchs “Ein literarischer Weg in die Opposition – Inhaftiert in Berlin – Hohenschönhausen”, ISBN 3897735733. Bin nicht viel älter, aus dem Westen und jetzt im “tiefsten und offenbar auch dunkelsten” Osten gelandet, und hab’ doch eine entsprechende Neugier. ;)

    Viele Grüße

    1F

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