Date: April 7th, 2008
Cate: Events, Musik
Tags: Hamburg, Jarre, Jean Michel Jarre, Oxygene 

Es hat mir nur im übertragenen Sinne die Sprache verschlagen…

“Stellenweise hatte ich mir gewünscht, auf einer Waldlichtung zu liegen, in den Sternenhimmel zu blicken und das kosmische Ballett aus Sternschnuppen und Polarlichtern zu betrachten.”

Offizieller Einlass 19:30 Uhr – mein Puls normalisierte sich langsam wieder. Das Konzert war offensichtlich nicht ausverkauft, im Gegenteil, die Armen Würste (ich inbegriffen) die “nur” Rangplätze abgegriffen hatten mussten umgesetzt werden. Und so verschlug es mich ein Stockwerk tiefer, jedoch auf einen für mich optimalen Sessel – Gang (ideal für lange Beine), mittig, perfekte Sicht auf die Bühne (20 Meter dichter dran hätten mich aber auch nicht sonderlich gestört…)

Mit etwa 20 Minuten Verspätung wurde dann um zehn vor halb neun das Saallicht ab- und wenige Augenblicke später das Bühnenlicht angeschaltet. Ein Spot auf – ein Ei… Eines dieser Sitzmöbel, welche in den 1970er-Jahren wohl wahnsinnig futuristisch, heute hingegen nur noch extrem “retro” um nicht zu sagen altmodisch wirken. Eine Drehung, und Herr Jarre zeigte sich dem ungeduldigen Publikum.

Zunächst eher verhaltener Applaus, doch das sollte sich im Laufe des Abends noch wesentlich ändern. Die drei “Gast”musiker wurden vorgestellt, ein paar Worte zur Oxygene, zu den Instrumenten, er zaubert ein paar Töne aus dem Theremin, entschuldigt sofort “I can play it much better, i’ll show you later on…”

Dann endlich folgen die ersten richtigen Sounds; sie spielten die Old Ladys warm. Nach und nach wirft er die einzelnen Synths an, klimpert ein wenig darauf rum, und wendet sich dem nächsten zu. Fast fließend wirkt der Übergang von diesem “Soundcheck” zu Oxygene Pt. I, aber ich habs trotzdem sofort gemerkt (Kunststück, so oft, wie ich den Track in den vergangenen 3 Tagen gehört hatte.) Du glaubst, der basslastige Teil ab 4:20 kommt auf einer Surround-Anlage im heimischen Wohnzimmer fett rüber? Es ist quasi ein Piepsen im Vergleich zu dem Druck, der gestern aus den Boxen donnerte! Nicht unbedingt der Lautstärke wegen, es war einfach die Kraft, diese Power, die nur diese wenigen Tonfragmente ausstrahlten.

Auch optisch wurde dem Publikum einiges geboten:

Anfangs musste ich mich selbst fast trösten, dass auch minimalistische Lichtinstallationen sehr reizvoll sein können, zumal sie auch wirklich perfekt (dieses Wort werde ich wohl noch das ein oder andere Mal verwenden MÜSSEN) eingebunden waren: Jeder einzelne der Synthies wurde einzeln angestrahlt, anfangs veränderten sich die Farben fast unmerklich, sehr dezent, später hingegen meinte man, künstlichen Blitze zuckten jeweils aus dem Gerät, dass Jarre gerade spielte.

Doch das sollte natürlich nicht alles gewesen sein! Hey, der Mensch missbraucht benutzt 5000 Jahre alte Bauwerke oder die komplette Skyline einer Stadt für seine Show!

Ein schwarzer Balken – so scheint es – fährt langsam von der Bühnendecke nach unten. Zunächst erkennt man nichts, nicht ohne Grund ist die Bühne zu diesem Zeitpunkt eher dürftig ausgeleuchtet. Plötzlich offenbart sich das Geheimnis: der etwa dreieinhalb Meter hohe und locker sechs, sieben, acht Meter Breite Spiegel wird auch 45 Grad gedreht und erlaubt dem Publikum, den Musikern über die Schultern und auf die Finger zu gucken… Danach wirkte die später eingespielte Videosequenz fast schon trivial. Zumindest bis zum nächsten Gänsehautmoment, als der rotierende Erdball plötzlich den Oxygene-Totenkopf zeigte.

We must not kill planet, we would not know where to bury it…

Stehende Ovationen nach etwa einer Stunde fünfzehn Minuten, die Künstler verlassen die Bühne, das Publikum lässt nicht locker. Die “Zugabe-Rufe” hat sich zwar scheinbar niemand getraut :) , aber das stört JMJ nicht: Alleine kehrt er zurück und legt noch mal richtig einen drauf.

Stichwort Zugabe: Ketzerische Zungen behaupten hin und wieder, dass Mark Jackson und Ronan Harris, besser bekannt als VNV Nationen während ihrem Zugaben-Klassiker Electronaut lediglich ihre Emails an den Laptops checken. Jarre verzichtet komplett auf derartigen “Schnickschnack”! Kein Apfel, der die Bühne ziert verunstaltet. Es sind alles alte, analoge Geräte! Handmade electronic music, sozusagen. Fast widersprüchlich.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich dieses Erlebnis nicht zusammenfassen kann. Mein Bericht hier weist so viele Lücken auf; zu viele, zu große, zu mitreißende Eindrücke an diesem Abend. Ich hoffe nur, dass es keine einmalige Geschichte bleiben wird, zu gerne würde ich einmal einem seiner “großen” Events beiwohnen, doch wo sollte er sich noch mal selbst toppen können? Auf dem Mount Everest? Unter Wasser? Im Weltall? Oder vielleicht doch nur einer Waldlichtung, den Blick gen Himmel…

6 Comments

  1. April 7th, 2008
    REPLY))

  2. Ich habe gesehen das die Karten bei 60 Euro anfingen. Ich war geneigt doch noch zu zuschlagen aber am Ende war es doch zu teuer für mich. Interessant das JMJ auch mit minimalistischem Aufwand zu verzaubern vermag! Es liest sich als ob du einen schönen Abend hattest.

    1F

  3. April 7th, 2008
    REPLY))

  4. Ich war froh, dass ich meine überzählige Karte dann doch noch für 35,- an den Mann bringen konnte… Hättest du mal nen Ton gesagt….

    2F

  5. April 7th, 2008
    REPLY))

  6. ach so..ich dachte die gibt es nur ab 60 Euro auch bei dir. ja, hätte ich auch mal nachfragen können!

    3F

  7. April 8th, 2008
    REPLY))

  8. wow… selten so einen guten bericht gelesen.
    fantastische einleitung. kompliment.
    der abend scheint ein voller erfolg gewesen zu sein.
    :o )

    4F

  9. April 8th, 2008
    REPLY))

  10. merci :)

    5F

  11. April 11th, 2008
    REPLY))

  12. Wow! Cool news!Sounds a little weird, but interesting anyway. what do you guys think about it?

    6F

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